Die Entscheidung der Stadt Dortmund, einen temporären Drogenkonsumraum an der Rheinischen Straße 111 einzurichten, stößt bei den Anwohnern auf erheblichen Widerstand. Zwischen Spielplätzen, Jugendtreffs und Wohnhäusern soll eine leerstehende Kneipe in eine Anlaufstelle für schwerstabhängige Menschen umgewandelt werden. Während die Stadt betont, es handele sich um eine Übergangslösung, fürchten viele Bürger um Sicherheit, Ordnung und das soziale Gefüge ihres Viertels.
Inhaltsverzeichnis:
- Kritik an Thomas Westphal und Entscheidung des Rats
- Sorgen um Spielplätze, Kinder und Sicherheit
- Kritik an gescheiterten Stadtentwicklungsprojekten
- Erwartungen an den Nachbarschaftsdialog
Kritik an Thomas Westphal und Entscheidung des Rats
Am 3. Juli hat der Dortmunder Stadtrat mehrheitlich für die Einrichtung des Konsumraums im Unionviertel gestimmt. Die Maßnahme soll die bestehende Einrichtung „Café Kick“ im Innenstadtbereich entlasten. Als Standort wurde ein leerstehendes Gebäude an der Ecke Rheinische Straße und Alte Radstraße gewählt. Die Stadt erklärt, dass es sich um eine zeitlich begrenzte Lösung handelt, während die Suche nach einem dauerhaften Ort weiterläuft.
Doch Anwohner fühlen sich von Oberbürgermeister Thomas Westphal übergangen. Sie haben ihm einen Brandbrief geschrieben, in dem sie ihre Sorgen zum Ausdruck bringen. Die 32-jährige Amine Türkyilaz betont: „Das Viertel ist richtig gut vernetzt, wir kennen uns hier alle“. Sie beschreibt, wie ihre Tochter regelmäßig allein zum Spielplatz laufen darf, weil Nachbarn aufeinander achten. Durch den neuen Konsumraum sehen sie diese Vertrauensstruktur bedroht.
Sorgen um Spielplätze, Kinder und Sicherheit
Viele Anwohner befürchten eine Verschlechterung der Sicherheitslage. Gabriele S. (59), Krankenschwester, fragt besorgt: „Sollen die Kinder hier mit den Spritzen spielen?“ Die Nähe zu Spielplätzen bereitet ihr große Sorgen. Auch Alexander T. (31) äußert sich kritisch: „Ich bin besorgt, dass später hier auf den Spielplätzen die Spritzen aus dem Sand gesammelt werden müssen.“
Er verweist auf die Zustände an der Thier-Galerie, wo sich bereits ein Drogenhilfezentrum befindet. Dort, sagt er, würde er sein Auto nicht mehr abstellen, aus Angst vor Vandalismus oder Diebstahl. Er befürchtet ähnliche Zustände im Unionviertel und warnt vor wachsender Beschaffungskriminalität. Müll, Drogengeräte und Übergriffe könnten Alltag werden.
Kritik an gescheiterten Stadtentwicklungsprojekten
Einige Bewohner kritisieren, dass mit dem Konsumraum frühere Aufwertungspläne für das Viertel zunichte gemacht werden. Ein nicht namentlich genannter Immobilienbesitzer verweist auf das gescheiterte Vorhaben zur Umgestaltung der Hoesch-Zentrale und des HSP-Geländes. Die Einrichtung eines Drogenkonsumraums sende das gegenteilige Signal.
Er warnt außerdem vor möglichen Konflikten mit rechtsextremen Gruppen aus dem benachbarten Dorstfeld. Diese könnten eine steigende Kriminalität ausnutzen, um rassistische Narrative zu bedienen. Paulo Pereira, Besitzer mehrerer Wohnungen, betont: „Meine Enkel können nicht mehr vor die Tür, wenn hier überall Suchtkranke sitzen.“ Auch Snjezana Ocokoljic, Betreiberin einer kleinen Pension, fragt sich: „Wer kommt noch zu mir, wenn meine Straße so aussieht?“
Erwartungen an den Nachbarschaftsdialog
Am 17. Juli plant die Stadt Dortmund einen „Nachbarschaftsdialog“, um über die Pläne zu informieren. Ziel sei es laut Einladung, Fragen, Anregungen und Kritik aufzunehmen. Viele Anwohner hoffen auf eine echte Beteiligung und keine reine Informationsveranstaltung. Die drängendsten Themen:
- Sicherstellung der Sauberkeit an Spielplätzen und Hauseingängen
- Verhinderung offener Drogenszenen im Wohnumfeld
- Konkrete Maßnahmen zur Unterstützung der Anwohnerschaft
- Erarbeitung eines langfristigen, tragfähigen Konzepts für die Drogenhilfe
Die Menschen im Unionviertel fordern, dass ihre Stimmen ernst genommen werden. Viele leben seit Jahrzehnten in dem Viertel, kennen jede Ecke und viele Familien in der Umgebung. Der Umgang mit dem Thema Drogenhilfe dürfe nicht zulasten ihrer Sicherheit und Lebensqualität erfolgen.
Quelle: WAZ